Welche Saite ist die richtige?

Die Auswahl der Saiten beeinflusst mehr als den Klang

Beim Spielen wird die Saite in Schwingung versetzt und durch die Resonanzen des Instrumentes verstärkt. Die Wahl der Saiten hat somit einen großen Einfluss auf den Klang und damit auf die Freude beim Musizieren.

Die Klang- und Spieleigenschaften der Saiten werden durch Materialauswahl und Art des Aufbaus modelliert. Einige Aspekte zeigen sich ähnlich auf allen Instrumenten, andere zeigen sich spezifisch und individuell bei jedem Instrument anders. Dabei gilt grundsätzlich die Physik der schwingenden Saite: je länger der schwingende Teil einer Saite, desto niedriger ist die Frequenz (Tonhöhe) und die Frequenz ist im Quadrat abhängig von der Spannung und im Kehrwert im Quadrat abhängig von der Masse.

Für einen tieferen Stimmton werden Metalldrähte um den Kern gewickelt und so das Gewicht erhöht; alle Saiten eines Instrumentes haben jeweils ähnliche Spannungen. Da die spezifischen Gewichte der verwendeten Materialien sehr unterschiedlich sind, sagt der Durchmesser einer Saite nichts Genaues über das nötige Stimmgewicht aus. Grundsätzlich sind die tiefen Saiten dicker als die hohen.

Vereinfacht gesehen gab es für Streichinstrumente klassisch nur Darmsaiten. Dabei spielen Qualität und Aufbereitung des Schafdarmes eine große Rolle. Nach der Reinigung werden die Därme wie ein Seil verdrillt. Für die Struktur- und Gewichtsveränderung können dünne Silber- oder Kupferdrähte mit eingebracht werden. Während des wochenlangen Trockenprozesses „verkäsen“ die einzelnen Darmstreifen wieder miteinander, sodass eine fast homogen erscheinende Saite entsteht, die dann meist geschliffen wird. Falls die Saite nicht blank gespielt werden soll, wird sie anschließend mit Metall umwickelt. Moderne Darmsaiten sind grundsätzlich umsponnen: der Darmkern ist nicht sichtbar.

Stahlsaiten, Stahlsaiten, das heißt Saiten mit Metallkern, sind auch schon seit vielen Jahrhunderten dokumentiert. Sie wurden früher bei Violininstrumenten jedoch nur im Ausnahmefall gespielt. Die Auswahl der Legierung und Härtung des Metalles beeinflusst das Gewicht und auch die Steifigkeit der Saite. Wie bei Darmsaiten können Umwicklungen aufgebracht werden. Die e-Saite der Violine ist meist eine blanke Stahlsaite; es gibt auch Produkte mit Umspinnung oder mit einem hauchdünnen Überzug eines anderen Metalles, z. B. einer Vergoldung. Die Spieleigenschaften ändern sich auch durch die materialspezifische Haftung mit dem Kolophonium.
Seit einigen Jahrzehnten werden darüber hinaus Kunststoffe als Kernmaterialien verwendet, als erstes Perlon, bzw. Nylon, später auch Kohlefaser und andere synthetische Fasern.

Beim Aufbau der Saite gibt es neben der Materialwahl eine Vielzahl an Möglichkeiten, mit denen der Klang beeinflusst wird: massiver Kern, Kern aus vielen „losen“ Fasern, verdrillt, geflochten etc., in welcher Art und in wie vielen Schichten die Umspinnungen aufgebracht werden u.s.w. Alle Aspekte wirken sich auf das Spielverhalten aus.

Für das Anspielverhalten ist neben anderem die Spannung der Saite wesentlich. Das Problem einer pfeifenden e-Saite liegt häufig an den zu unterschiedlichen Positionen der idealen Kontaktstellen bei der a- und e-Saite. Dann kann beim Saitenwechsel zur e-Saite hin nicht schnell genug die Bogenführung korrigiert werden und die e-Saite pfeift. Mit der Bezeichnung leicht-mittel-schwer o. ä. wird bei gleicher Bauart der Durchmesser und somit die für die richtige Stimmung benötigte Spannung bezeichnet. Oft hilft ein Wechsel der e-Saite zur nächststärkeren Ausführung und/oder ein Wechsel der a-Saite zur dünneren Ausführung. So kommt das Instrument wieder in Balance und das Problem ist behoben. Inzwischen gibt es eine große Auswahl an hochwertigen Saiten; eine gute Lösung sollte für jeden möglich sein. Und sollte es doch einmal besonders kritisch sein, so sind sogar individuelle Anfertigungen von Saiten möglich. Selbstverständlich sollten die Saitenkerben am Steg und Obersattel in Ordnung sein und die Saite nur zu etwa 1/3 in den Kerben liegen. Das ist ein anderer möglicher Grund für Anspracheprobleme: Ist die Saite am Steg in die Saitenkerbe eingesunken, wird sie seitlich beengt und kann nicht frei schwingen. Als Resultat reagiert sie klanglich störrisch. Als Stegschutz kann über die Saitenkerbe ein Pergament geleimt werden. Bei jedem Saitenwechsel sollten die Kerben nachgeschmiert werden, damit beim Stimmen die Saite gut nachrutschen kann. Dafür ist Graphit bzw. ein Bleistift der Weichheit 6B bis 9B gut geeignet.

Durch das Spielen verlieren Saiten an Tonqualität bereits, lange bevor sie mechanische Defekte aufweisen. So wirkt das Erneuern von Saiten manchmal wie ein Wunder und ergibt eine deutliche Klangverbesserung. Jede neue Saite muss eingespielt werden: Auch Saiten, die nicht auf Temperatur oder Feuchtigkeit reagieren, brauchen etwas Zeit, bis sie die Stimmung halten, da sich das Kernmaterial erst noch etwas dehnt. Dieser Prozess kann beschleunigt werden, indem bei richtiger Stimmung die Saite wie bei einem Aufwärtsglissando „massiert“ wird. Auch hilft ein Spielen mit der Kontaktstelle möglichst nah am Steg. Ein Überstimmen hingegen ist schlecht für die Haltbarkeit und die Klangeigenschaften. Beim Spielen wird die Saite durch die Bewegung geschmeidiger: Je nach Art der Saite kann es mehrere Tage dauern, bis die optimalen Spieleigenschaften erreicht sind.

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