Die Geschichte der Violine

Vom Spielmannsinstrument bis zur modernen Konzertgeige

Im frühen 16. Jahrhundert wurde die Violine im italienischen Sprachraum aus den damals üblichen Spielmannsinstrumenten entwickelt und ist in vielen Teilen seitdem nur geringfügig verändert.

Im frühen 16. Jahrhundert wurden große szenische Stücke in Oberitalien aufgeführt. Während des Bühnenumbaus traten auch fahrende Musikanten auf. Diese Zwischenspiele waren so erfolgreich, dass manche Höfe Veranstaltungen ausschließlich mit Spielleuten organisierten. So erhielten die ersten Spielmänner eine feste Anstellung und soziale Anerkennung. Bis dahin waren nur Gamben als Streichinstrumente (mit Bünden und ohne Randüberstand) in gesellschaftlich höheren Kreisen akzeptiert. Dieser Aufstieg der Geige wurde auch symbolisch mit einer anderen Bautechnik manifestiert: Mit der Methode des Lautenbaus wird ein äußerlich formgleiches Instrument hergestellt. Wie die Gambe hatte die Laute einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Im Handwerksrecht war das fixiert: Die Verwendung einer Innenform und die Verbindung vom Hals mit dem Korpus durch einen Nagel durften nur durch ausgebildete und in der Zunft organisierte Werkstätten erfolgen. Mit genau dieser Methode bauten die anerkannten italienischen Geigenbauer. So entstand in Oberitalien die Konzertvioline. Mit dieser Entwicklung erreichten die bundlosen Streichinstrumente und ihre Spieler Anerkennung; erst bei der Violine, später bei den größeren Instrumenten. Die Cellostimme wurde in Frankreich in vielen Orchestern noch im 19. Jh. auf Gamben gespielt und streng genommen ist der Kontrabass bis heute ein Zwitterinstrument zwischen Gambe und Violine.

Ein offensichtliches Indiz für den Bezug auf die Spielmannstradition ist die große Bedeutung verschiedener Tanzsätze in der frühen komponierten Musik.

Die verschiedenen Fürstenhöfe praktizierten europaweit ähnliche Sitten. So wollten die meisten angestellten Musiker eine italienische Geige oder mindestens ein Instrument im italienischen Stil haben. In dieser großen Nachfrage entwickelte sich die Blüte des italienischen Geigenbaus. Später orientierten sich auch weltliche Vereinigungen an diesen kulturellen Ereignissen, beispielsweise die Tuchmacher in Leipzig, die das Gewandhausorchester gründeten. In dieser Tradition wollte jeder ein Instrument, das der schon vorhandenen Violine möglichst ähnlich ist. Das erklärt die geringe Veränderung über die Jahrhunderte. Obwohl eine Barockgeige anders ist als eine moderne Konzertgeige, ist sie doch so ähnlich, dass seit dem 16. Jahrhundert die meisten Instrumente an die jeweiligen spieltechnischen Anforderungen angepasst werden. Bei Erhalt der wesentlichen Originalsubstanz wurden die Halsgeometrie und der Bassbalken umgebaut und die Instrumente werden bis heute konzertant gespielt.

Die Amatiwerkstatt in Cremona erreichte sehr früh eine Leitfunktion und erhielt sie über beinahe zwei Jahrhunderte. Viele zeitgenössische Instrumentenmacher lehnten ihre Modelle an Amati an. Diese „Idealgeige“ wurde erst durch Jacobus Stainer (1617-1683) übertroffen. Sein Modell entsprach im Wesentlichen auch diesem etwas kleineren, hochgewölbten Typus mit kurzen F-Löchern. Weiterhin war die Tradition der Spielleute europaweit lebendig und der ursprüngliche Spielmanntypus existierte neben der höfischen (italienischen) Violine. Am besten ist das bei der Alemannischen Schule dokumentiert. Aufgrund der typisierten Bauweise und laut zeitgenössischen Beschreibungen favorisierte der höfische Typ offensichtlich eher einen klaren, silbrigen Klang, während bei den Spielleuten ein sonorer und durchdringender Ton gefragt war.

Im ausgehenden 17. Jh. näherte sich auch beim höfischen Instrumentenbau das Tonideal an den ursprünglichen Spielmannsklang. Stradivari experimentierte neben Guarneri del Gesu am erfolgreichsten mit einem „Kompromiss-Modell“, indem er den Korpus vergrößerte, die Wölbung breiter und flacher zog, usw. Aber auch viele andere Instrumentenmacher, wie beispielsweise Montagnana in Venedig oder Gagliano in Neapel, machten Versuche in diese Richtung. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war der europaweite Bedarf an Instrumenten gedeckt und die Tradition des klassischen italienischen Geigenbaus fand ein Ende. Nach den gesellschaftlichen Revolutionen bildete das aufsteigende Bürgertum eine neue Käuferschicht und Frankreich prägte im 19. Jahrhundert den Geigenbau.

Die endgültige Ablösung des Stainer/Amati Typs durch Stradivari oder Guarneri del Gesu als Leitbild im Geigenbau erfolgte während der Romantik. Die Instrumente von Guarneri del Gesu erhielten erst eine Wertschätzung, nachdem Paganini notgedrungen auf einer geborgten Violine spielte, nachdem er seine Geige im Glückspiel verlor. Dieses Instrument wurde ihm nach dem Konzert geschenkt. Auf dieser Violine von Guarneri del Gesu – er nannte sie wegen ihres großen Tones „Kanone“ - konzertierte er bis an sein Lebensende.

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